Warum Hallen im Sommer so heiß werden
Lager-, Produktions- und Werkstatthallen sind auf Tageslicht angewiesen. Deshalb haben sie viele und oft sehr große lichtdurchlässige Flächen. Genau dort kommt im Sommer die Hitze herein. Typische Wärmequellen sind:
- Lichtbänder und Lichtkuppeln im Dach: Sie liegen fast waagerecht und bekommen die hoch stehende Mittagssonne nahezu senkrecht ab. Pro Quadratmeter gelangt hier besonders viel Energie in die Halle.
- Oberlichter und Sheddächer: Je nach Ausrichtung sorgen sie für angenehmes Streulicht oder für direkte Einstrahlung, wenn die Verglasung nach Süden, Osten oder Westen zeigt.
- Große Fensterfronten: Durchgehende Fensterbänder an Längsseiten, verglaste Büro- und Sozialtrakte oder Glasfassaden an Ausstellungs- und Werkstattflächen.
- Rolltor- und Sektionaltor-Verglasungen: Kleine Flächen, aber oft auf der Sonnenseite und direkt an Arbeitsplätzen oder Verladezonen.
Die Strahlung trifft auf Boden, Regale, Maschinen und Ware, wird dort zu Wärme und staut sich unter dem Dach. Große Hallenvolumen kühlen nachts nur langsam aus. Nach einigen heißen Tagen startet die Frühschicht schon bei hohen Temperaturen.
Ehrlich gesagt: Sonnenschutzfolie wirkt dort, wo die Sonne durch Glas oder transparente Flächen kommt. Heizt sich die Halle vor allem über ein schlecht gedämmtes Dach oder durch Maschinenabwärme auf, löst Folie das Problem nur zum Teil. Das schätzen wir beim Termin vor Ort offen ein.
Die Folgen: Arbeitsschutz, Leistung, Ware und Sicherheit
Arbeitsschutz nach ASR A3.5
Die Arbeitsstättenregel ASR A3.5 „Raumtemperatur“ gilt auch für Hallen. Die Lufttemperatur in Arbeitsräumen soll 26 °C nicht überschreiten. Führt Sonneneinstrahlung durch Fenster, Oberlichter oder Glaswände zu höheren Temperaturen, müssen diese mit geeignetem Sonnenschutz ausgestattet sein. Über 26 °C sollen zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden, über 30 °C müssen auf Grundlage der Gefährdungsbeurteilung wirksame Maßnahmen folgen. Über 35 °C ist ein Raum ohne besondere Maßnahmen nicht als Arbeitsraum geeignet. Gerade bei körperlicher Arbeit wird Hitze schnell zur Belastung. Mehr zu den Grenzwerten lesen Sie in unserem Beitrag Hitze im Büro: Was die ASR A3.5 fordert. Die Regeln gelten für Hallen gleichermaßen.
Leistungsabfall und Fehler
Hohe Temperaturen machen müde, senken die Konzentration und erhöhen die Fehlerquote, beim Kommissionieren ebenso wie an der Maschine. Zusätzliche Pausen und verschobene Schichten kosten Zeit und Planbarkeit.
Temperaturempfindliche Ware
Lebensmittel, Kosmetik, Arzneimittel, Klebstoffe, Farben, Elektronik oder Kunststoffteile vertragen oft keine hohen Temperaturen. Direkte Sonne auf Paletten erwärmt die Ware zusätzlich, UV-Strahlung lässt Verpackungen und Etiketten ausbleichen. Wo Lagerbedingungen dokumentiert werden müssen, wird jeder heiße Sommer zum Risiko.
Blendung an Maschinen und im Staplerverkehr
Grelles Licht aus Oberlichtern und Fensterfronten blendet an Bedienpanels, Bildschirmen und Messplätzen. Besonders kritisch ist der Wechsel zwischen hellen und dunklen Zonen im Staplerverkehr: Wer aus der Sonne in eine schattige Regalgasse fährt, sieht einen Moment lang schlechter.
Sonnenschutz für die Halle: Was Folie leisten kann

Eine Sonnenschutzfolie hält einen großen Teil der Sonnenenergie am Glas zurück (je nach Folie bis zu 80 %) und filtert rund 99 % der UV-Strahlung. Für Hallen bietet sie einige handfeste Vorteile:
- Kein Eingriff in Dach oder Fassade, keine Baugenehmigung, keine Statikfragen
- Passive Wirkung ohne Strom, Motoren oder Steuerung, also nichts, was im Hallenalltag kaputtgehen oder falsch bedient werden kann
- Weniger Blendung an Arbeitsplätzen und in Verkehrswegen
- Schutz der Ware vor direkter Sonne und UV-Strahlung
- Entlastung einer vorhandenen Kühlung oder Hallenlüftung
In Hallen kommen häufig reflektierende Folien zum Einsatz, weil sie meist einen besonders hohen Hitzeschutz bieten und die Optik von außen dort selten eine große Rolle spielt. Wo Tageslicht wichtig ist, sind hellere oder spektralselektive Folien die bessere Wahl.
Sonderfall Lichtbänder und Lichtkuppeln aus Kunststoff
Viele Lichtbänder, Lichtkuppeln und Stegplatten bestehen nicht aus Glas, sondern aus Kunststoff, meist Polycarbonat oder Acryl. Kunststoffe verhalten sich anders als Glas: Sie dehnen sich bei Wärme stärker aus, können Gase abgeben und reagieren teils empfindlich auf Klebstoffe. Eine Folie, die auf Glas problemlos hält, kann auf Kunststoff Blasen werfen, sich ablösen oder das Material schädigen.
Hinzu kommt die Bauform: Gewölbte Kuppeln, mehrschalige Aufbauten und Stegplatten mit Hohlkammern lassen sich nicht immer vollflächig und dauerhaft folieren. Ob und welche Folie auf Ihren Lichtbändern möglich ist, prüfen wir deshalb immer vor Ort anhand von Material, Aufbau, Zustand und Alter der Elemente sowie den Freigaben der Folienhersteller. Ist eine Folierung nicht sinnvoll, sagen wir Ihnen das offen und konzentrieren uns auf die Glasflächen, bei denen Folie zuverlässig wirkt.
Tageslicht erhalten oder Hitze reduzieren?
In der Halle ist das ein echter Zielkonflikt. Wird es zu dunkel, muss tagsüber Kunstlicht laufen. Das kostet Strom und erzeugt selbst Wärme. Bleibt es sehr hell, kommt mehr Energie herein. Die Lösung liegt meist in einer differenzierten Planung:
- Nach Fläche unterscheiden: Dachflächen mit direkter Mittagssonne bekommen einen kräftigen Hitzeschutz, Fensterbänder auf der Nordseite bleiben unbehandelt oder erhalten eine helle Folie.
- Nach Nutzung unterscheiden: Über Kommissionier- und Montageplätzen ist gutes Licht wichtig, über Hochregal- oder Pufferflächen eher weniger.
- Technologie wählen: Spektralselektive Folien halten vor allem den Wärmeanteil zurück und lassen vergleichsweise viel Licht durch. Reflektierende Folien schützen meist stärker vor Hitze, dunkeln aber auch mehr ab.
Welche Folienarten es gibt und wie die Kennwerte zu lesen sind, erklärt unser Ratgeber Sonnenschutzfolie-Arten im Überblick. Muster an Ihren Scheiben zeigen, wie viel Licht in der Praxis bleibt.
Glas-Check vor Ort: Grundlage jeder Hallenlösung
Vor jeder Sonnenschutzfolierung machen wir einen Glas-Check vor Ort. In Hallen prüfen wir unter anderem:
- Material und Aufbau: Einfach-, Isolier- oder Drahtglas, Sicherheitsglas, Kunststoff-Lichtbänder
- Scheibengrößen, Rahmen, Einbausituation und Zustand der Elemente
- Ausrichtung und Verschattung jeder Fläche
- Nutzung darunter: Arbeitsplätze, Verkehrswege, Lagerzonen, empfindliche Ware
- Zugänglichkeit: Arbeitshöhe, Platz für eine Hubarbeitsbühne, Tragfähigkeit des Hallenbodens für die Bühne
Nicht jede Folie passt zu jedem Glas. Bei ungeeigneter Kombination können thermische Spannungen bis zum Glasbruch entstehen. Über Arbeitsplätzen will dieses Risiko niemand eingehen. Deshalb entscheiden wir die Auswahl je Fläche und gemeinsam mit Ihnen.
Arbeiten in der Höhe und Montage ohne Produktionsstopp
Oberlichter und Lichtbänder erreichen wir von innen meist mit einer Hubarbeitsbühne. Dafür braucht es Platz: Wir stimmen vorab ab, welche Gassen oder Flächen zu welcher Zeit frei sein müssen und wo abgesperrt wird. Der Bereich unter der Arbeitsbühne wird gesichert, damit Staplerverkehr und Personal nicht gefährdet werden.
Ein Produktionsstopp ist in der Regel nicht nötig. Wir arbeiten abschnittsweise und passen uns Ihrem Schichtbetrieb an, auf Wunsch auch abends, nachts oder am Wochenende. Folie wird ohne Bohren und Schleifen montiert, es entsteht kein Staub, der Produktion oder Ware beeinträchtigt.
Sie möchten wissen, was in Ihrer Halle möglich ist? Schicken Sie uns ein paar Fotos der Lichtbänder und Fensterflächen über unsere Anfrage oder rufen Sie an unter 07153 897000. Nach dem Termin vor Ort erhalten Sie ein Festpreis-Angebot.
Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick aus unserer Praxis und ersetzt keine Rechtsberatung oder Gefährdungsbeurteilung. Maßgeblich ist die jeweils aktuelle Fassung der ASR A3.5.