Warum Großraumbüros besonders unter Sonne leiden
Open-Space-Flächen haben meist große, durchgehende Fensterbänder oder vollverglaste Fassaden. Das sorgt für viel Tageslicht, im Sommer aber auch für eine Reihe typischer Probleme, die sich gegenseitig verstärken:
- Hitze an Fensterarbeitsplätzen: Direkt an der besonnten Scheibe wird es deutlich wärmer als in der Raummitte. Wer dort sitzt, spürt neben der Lufttemperatur auch die Wärmestrahlung von Glas und Sonne auf der Haut.
- Blendung an Bildschirmen: Tief stehende Sonne am Morgen oder Nachmittag trifft je nach Fassadenseite direkt auf Monitore. Reflexionen auf dem Display machen konzentriertes Arbeiten schwer.
- Ungleiche Temperaturen: Die Süd- und Westseite heizen sich auf, die Nordseite bleibt kühl. Die Lüftungs- oder Klimaanlage versucht auszugleichen. Am Ende friert die eine Hälfte, während die andere schwitzt.
- Konflikte um die Jalousie: Der Kollege am Fenster will sie herunterlassen, die Kollegin in der zweiten Reihe will Tageslicht und Ausblick. Innenjalousien, die ganztägig geschlossen sind, zwingen außerdem zu Kunstlicht.
Dazu kommt: Im Großraum lässt sich das Problem nicht mit einem einzelnen Tischventilator lösen. Maßnahmen wirken immer auf viele Arbeitsplätze gleichzeitig und müssen deshalb gut geplant sein.
Was die ASR A3.5 für Open Spaces bedeutet
Für Arbeitgeber ist die Arbeitsstättenregel ASR A3.5 „Raumtemperatur“ der zentrale Maßstab. Die Lufttemperatur in Arbeitsräumen soll 26 °C nicht überschreiten. Führt Sonneneinstrahlung durch Fenster, Oberlichter oder Glaswände zu höheren Temperaturen, müssen diese mit geeignetem Sonnenschutz ausgestattet sein. Über 26 °C sollen zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden, über 30 °C müssen auf Grundlage der Gefährdungsbeurteilung wirksame Maßnahmen folgen. Über 35 °C ist ein Raum ohne besondere Maßnahmen nicht als Arbeitsraum geeignet.
Im Großraumbüro ist das tückisch: Der Mittelwert im Raum mag passen, während es an den Fensterplätzen der Westseite am Nachmittag deutlich zu warm ist. Einen ausführlichen Überblick über die Temperaturgrenzen gibt unser Beitrag Hitze im Büro: Was die ASR A3.5 fordert.
Sonnenschutz im Großraumbüro: Folie je Fassadenseite wählen
Der häufigste Planungsfehler ist, eine einzige Lösung über alle Fassaden zu legen. Jede Himmelsrichtung stellt aber andere Anforderungen. Mit Sonnenschutzfolie lässt sich das gezielt steuern, Scheibe für Scheibe.
| Fassadenseite | Typische Situation | Mögliche Folienstrategie |
|---|---|---|
| Süd | Lange, intensive Einstrahlung über Mittag, hohe Wärmelast | Folie mit starkem Hitzeschutz, je nach Optikwunsch spiegelnd oder spektralselektiv |
| West | Tief stehende Nachmittagssonne, Hitze trifft auf bereits aufgewärmte Räume, starke Blendung | Kräftiger Hitze- und Blendschutz, oft in Kombination mit innenliegendem Blendschutz |
| Ost | Morgens flache Sonne, vor allem Blendung, Hitze meist moderater | Blendschutz im Vordergrund, mittlerer Tönungsgrad |
| Nord | Kaum direkte Sonne, gleichmäßiges Tageslicht | Oft keine Hitzeschutzfolie nötig; bei Bedarf klare UV-Schutz- oder neutrale Folie für einheitliche Optik |
Die Tabelle ist eine Orientierung, keine Regel. Verschattung durch Nachbargebäude, Bäume oder auskragende Bauteile kann die Situation einer Fassade völlig verändern. Welche Folienarten grundsätzlich infrage kommen, zeigt unser Ratgeber Sonnenschutzfolie-Arten: spiegelnd, neutral oder getönt.
Praxis-Tipp: Unterschiedliche Folien auf verschiedenen Fassaden können von außen uneinheitlich wirken, etwa wenn eine Seite spiegelt und die andere nicht. Klären Sie früh, ob es gestalterische Vorgaben des Eigentümers oder Architekten gibt. Wir berücksichtigen das bei der Auswahl und zeigen Ihnen Muster im direkten Vergleich.
Folie und innenliegender Blendschutz: eine sinnvolle Arbeitsteilung
Sonnenschutzfolie und Innenjalousie sind keine Konkurrenten, sondern ergänzen sich. Die Folie arbeitet am Glas, dauerhaft und ohne dass jemand etwas bedienen muss: Sie hält je nach Folie bis zu 80 % der Sonnenenergie zurück, bevor sie im Raum zu Wärme wird. Das senkt die Grundlast für den ganzen Raum und entschärft die Temperaturunterschiede zwischen den Fassadenseiten.
Ein innenliegender Blendschutz (Rollo, Lamellenvorhang oder Jalousie) bleibt für die wenigen Situationen, in denen die Sonne sehr tief steht und direkt auf einzelne Bildschirme fällt. Der Vorteil: Weil die Folie die Grundlast übernimmt, muss der Blendschutz nur noch zeitweise und abschnittsweise geschlossen werden. Das entschärft den Jalousie-Streit spürbar, und die Kolleginnen und Kollegen in der zweiten Reihe behalten Tageslicht und Ausblick.
Für Bildschirmarbeit gilt zusätzlich: Blendung und störende Reflexionen sollen vermieden werden. Getönte oder reflektierende Folien reduzieren die Helligkeit an der Scheibe deutlich und verbessern den Kontrast am Monitor. Wie viel Licht dabei erhalten bleibt, legen Sie über den Tönungsgrad fest.
Glas-Check vor Ort: was wir im Großraum prüfen
Vor jeder Sonnenschutzfolierung machen wir einen Glas-Check vor Ort. Im Großraumbüro ist er besonders wichtig, weil hier oft viele Scheiben mit unterschiedlichen Bedingungen zusammenkommen:
- Verglasung: Einfach-, Isolier- oder Dreifachglas, Wärmeschutzbeschichtung, Sicherheitsglas sowie die Frage, ob die gewünschte Folie dafür vom Hersteller freigegeben ist.
- Scheibengrößen und Rahmen: Große Fassadenelemente, feste und öffenbare Flügel, Rahmenmaterial und Einbausituation.
- Ausrichtung und Verschattung: Himmelsrichtung jeder Fassade und Schatten durch Umgebung oder Bauteile.
- Nutzung: Wo stehen Bildschirmarbeitsplätze, wo Besprechungsinseln, wo Rückzugsräume? Wie viel Tageslicht wird gebraucht?
- Zugänglichkeit: Stellen Möbel, Heizkörper oder Brüstungen die Montage vor Hindernisse?
Nicht jede Folie passt zu jedem Glas: Bei ungeeigneter Kombination können thermische Spannungen bis hin zum Glasbruch entstehen. Deshalb entscheiden wir die Auswahl nicht pauschal, sondern je Scheibe und gemeinsam mit Ihnen, gern mit Mustern direkt an der Fassade.
Montage im laufenden Betrieb
Ein Großraumbüro lässt sich nicht einfach für ein paar Tage schließen. Das ist auch nicht nötig. So organisieren wir die Montage, damit Ihr Team weiterarbeiten kann:
- Außerhalb der Geschäftszeiten: Auf Wunsch montieren unsere eigenen Folierer abends oder am Wochenende.
- Abschnittsweise: Wir arbeiten Fassadenabschnitt für Fassadenabschnitt. Nur die Arbeitsplätze direkt am Fenster werden kurzzeitig freigeräumt.
- Sauber und leise: Keine Bohrarbeiten, kein Staub, keine Gerüste in den meisten Fällen. Die Scheiben werden gereinigt, die Folie wird nass verklebt und randgenau zugeschnitten.
- Klare Abstimmung: Mit dem Facility Management legen wir vorab Reihenfolge, Zeitfenster und Zugänge fest.
Nach der Montage braucht die Folie je nach Produkt und Witterung einige Tage, bis sie vollständig ausgehärtet ist. In dieser Zeit sollten die Scheiben innen nicht gereinigt werden; leichte Trübungen oder kleine Wasserbläschen verschwinden in der Regel von selbst.
Checkliste für Facility Management und Einkauf
Mit diesen Informationen können wir Ihre Anfrage schnell einschätzen und den Termin vor Ort gezielt vorbereiten:
- Adresse, Etage(n) und betroffene Fassadenseiten
- Ungefähre Anzahl und Größe der Scheiben, gern mit Fotos von innen und außen
- Beschwerden der Mitarbeitenden: Hitze, Blendung oder beides, und zu welcher Tageszeit
- Vorhandener Sonnen- und Blendschutz sowie Klimatisierung
- Gestaltungsvorgaben von Eigentümer oder Architekt
- Wunschzeitraum und mögliche Montagefenster
Sie erhalten danach ein Festpreis-Angebot, auf Wunsch auch für mehrere Standorte. Mehr zu unserer Arbeitsweise für Firmenkunden lesen Sie unter Für Unternehmen. Oder Sie stellen direkt eine unverbindliche Anfrage. Ein Anruf unter 07153 897000 oder eine E-Mail an info@sj-design.de genügt ebenfalls.
Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick aus unserer Praxis und ersetzt keine Rechtsberatung oder Gefährdungsbeurteilung. Maßgeblich ist die jeweils aktuelle Fassung der ASR A3.5.