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Ratgeber · Einkauf & Planung

Glasfolierung ausschreiben: So erstellen Sie ein Leistungsverzeichnis

Eine Glasfolierung Ausschreibung steht und fällt mit dem Leistungsverzeichnis: Nur wenn alle Bieter dasselbe kalkulieren, sind die Angebote vergleichbar. Dieser Leitfaden zeigt Einkauf, Facility Management, Planern und Kommunen, was ins LV gehört, und liefert Musterpositionen zum Übernehmen.

Warum ein gutes LV bei Glasfolierung so viel ausmacht

Folie ist nicht gleich Folie. Zwei Angebote für „Sonnenschutzfolie liefern und montieren“ können sich in Leistung, Haltbarkeit und Montageaufwand grundlegend unterscheiden und trotzdem auf dem Papier gleich aussehen. Ein präzises Leistungsverzeichnis sorgt dafür, dass alle Bieter dieselbe Leistung kalkulieren, dass Nachträge die Ausnahme bleiben und dass Sie am Ende genau das bekommen, was Sie brauchen.

Gleichzeitig soll das LV nicht jedes Detail vorwegnehmen, das erst vor Ort geklärt werden kann. Der Trick liegt darin, Anforderungen klar zu beschreiben und die Lösung dem Fachbetrieb zu überlassen, allerdings mit Nachweispflicht.

Was ins Leistungsverzeichnis für eine Glasfolierung gehört

Objekt, Standorte und Glasflächen

  • Objekt und Standorte: Adressen, Gebäudeteile, Geschosse, Ansprechpartner vor Ort, Zugangsregelungen.
  • Glasflächen: Maße und Stückzahlen je Scheibentyp, am besten mit Fensterliste, Ansichten oder Fotos. Liegen keine belastbaren Maße vor, schreiben Sie das Aufmaß durch den Bieter als eigene Position aus.
  • Glasart und Einbausituation: Einfach-, Isolier- oder Dreifachglas, Wärmeschutzbeschichtung, Sicherheitsglas, Rahmenmaterial, Glashalteleisten, Sprossen, Innen- oder Außenseite, Himmelsrichtung.

Folientyp als Leistungsanforderung, nicht als Markenname

Gerade im öffentlichen Bereich ist eine produktneutrale Beschreibung wichtig. Statt eines Folienprodukts formulieren Sie die Anforderungen, die die Folie erfüllen muss, zum Beispiel:

  • Gesamtenergiedurchlassgrad (g-Wert) bzw. Reduktion der Sonnenenergie als Zielwert je Scheibe, „gemäß Datenblatt nachzuweisen“
  • Lichttransmission (sichtbares Licht) und Aussehen: spiegelnd, neutral oder klar
  • UV-Schutz, etwa bei empfindlichen Waren oder Exponaten
  • Brandverhalten, sofern im Objekt gefordert (Nachweis durch den Bieter)
  • Haltbarkeit, Eignung für Innen- oder Außenmontage, Herstellerfreigabe für die vorhandene Glasart

Mit dem Zusatz „oder gleichwertig, Nachweis durch technisches Datenblatt“ halten Sie den Wettbewerb offen und bekommen trotzdem prüfbare Angebote. Einen Überblick über die Folienvarianten gibt unser Beitrag Sonnenschutzfolie: Arten im Vergleich.

Gestaltung und Druckdaten

Bei Sichtschutz, Glasbeschriftung oder Anlaufschutz im Corporate Design legen Sie fest, wer die Gestaltung liefert: Stellt der Auftraggeber druckfähige Daten, oder übernimmt der Bieter Entwurf und Reinzeichnung? Nennen Sie Farbvorgaben, Schriften und die Anzahl der Korrekturschleifen.

Vorarbeiten, Zugang und Baustellenbedingungen

  • Vorarbeiten: Reinigung der Scheiben, Entfernen von Altfolien und Kleberresten, Umgang mit Dichtungen.
  • Zugänglichkeit: Arbeitshöhen, Hubarbeitsbühne oder Gerüst, Bodenbelastbarkeit, Möblierung vor den Fenstern.
  • Montagezeiten: Betriebszeiten, Montage abends oder am Wochenende, Sperrzeiten, Lärmschutz.
  • Baustelleneinrichtung: Strom, Wasser, Lagerfläche, Parkmöglichkeit, Anmeldung beim Pförtner.

Nachweise, Bemusterung und Dokumentation

  • Muster/Bemusterung: Folienmuster an der Originalscheibe vor Auftragsfreigabe.
  • Gewährleistung und Herstellergarantie: Nachweis durch Herstellerunterlagen, nicht nur durch Zusage des Bieters.
  • Dokumentation: Fotodokumentation je Standort, technische Datenblätter, Abnahmeprotokoll.
  • Pflegeanleitung: Reinigungshinweise für Hausmeister und Gebäudereinigung.

Wichtig bei Sonnenschutzfolie: Nicht jede Folie passt zu jedem Glas. Ungeeignete Kombinationen können thermische Spannungen und im schlimmsten Fall Glasbruch verursachen. Schreiben Sie Sonnenschutz deshalb immer mit einer vorgeschalteten Glasprüfung und einer Freigabe der Folie für die vorhandene Verglasung aus.

Muster-Tabelle: Beispielpositionen für das Leistungsverzeichnis

Die folgenden Positionen haben sich in der Praxis bewährt. Passen Sie Kurztexte und Mengen an Ihr Objekt an und ergänzen Sie jeweils einen Langtext mit den Anforderungen.

Pos.KurztextEinheitHinweis
01Aufmaß vor Ort, bei Sonnenschutz mit Glas-CheckpschMaße und Einbausituation erfassen, bei Sonnenschutz zusätzlich Glasart und Beschichtung; Ergebnis als Liste je Scheibe
02Entfernen Altfolie inkl. Reinigung und EntsorgungFolientyp und Alter angeben, soweit bekannt; Kleberreste rückstandsfrei entfernen
03Sonnenschutzfolie innen, liefern und montierenAnforderungen an g-Wert, Lichttransmission, UV-Schutz gemäß Datenblatt nachzuweisen; Freigabe für Glasart
04Sichtschutzfolie mit ausgesparten Logos, liefern und montierenHöhe des Sichtschutzbandes, Logodaten vom AG oder Gestaltung durch AN festlegen
05Anlaufschutz-Markierung nach DIN 18040-1, zwei BänderStkje Glasfläche; Höhenbereiche, Kontrast und Gestaltung beschreiben
06Vogelschutzmarkierung außen, liefern und montierenMuster mit Wirksamkeitsnachweis, vollflächig auf der Außenseite
07Hubarbeitsbühne stellen, inkl. An- und AbtransportStdArbeitshöhe, Zufahrt und Bodenbelastbarkeit angeben
08Muster/Bemusterung an der Originalscheibepschvor Freigabe der Ausführung
09Montage außerhalb der Geschäftszeiten, ZulageStdZeitfenster angeben (abends, Wochenende)
10Fotodokumentation je Standort inkl. DatenblätterStkÜbergabe digital, Abnahmeprotokoll

Die Vorgaben aus ASR und DIN 18040-1 zu den Markierungshöhen beim Anlaufschutz fasst unser Beitrag Ist Anlaufschutz Pflicht? zusammen.

Beispiel: Langtext für eine Sonnenschutzposition

Der Kurztext allein reicht für eine belastbare Kalkulation nicht. Im Langtext beschreiben Sie, was die Leistung umfasst und welche Nachweise Sie erwarten. Ein Beispiel, das Sie an Ihr Objekt anpassen können:

„Sonnenschutzfolie zur Reduzierung der solaren Wärmeeinstrahlung liefern und auf der Rauminnenseite der vorhandenen Isolierverglasung vollflächig montieren. Aussehen: neutral, nicht spiegelnd. Anforderungen an Gesamtenergiedurchlassgrad, Lichttransmission und UV-Schutz gemäß Vorgabe des Auftraggebers, Nachweis durch technisches Datenblatt des Herstellers. Die Eignung der Folie für die vorhandene Glasart ist vor Ausführung zu prüfen und durch Herstellerfreigabe nachzuweisen. Inklusive Reinigung der Scheiben vor Montage, Randabstand gemäß Herstellervorgabe, Entsorgung der Verpackung. Abrechnung nach tatsächlich beklebter Glasfläche.“

Legen Sie außerdem fest, wie abgerechnet wird: nach Aufmaß der beklebten Fläche, nach Scheibenmaß oder pauschal je Scheibe. Unterschiedliche Abrechnungsregeln sind einer der häufigsten Gründe, warum Angebote auf den ersten Blick nicht vergleichbar sind. Fordern Sie zudem mit dem Angebot die Datenblätter der angebotenen Folien an. Dann können Sie die Werte vor der Vergabe prüfen.

Leistungsverzeichnis Sonnenschutzfolie: typische Fehler

Aus unserer Kalkulationspraxis kennen wir einige Punkte, die immer wieder zu unklaren Angeboten oder Nachträgen führen:

  • Markenname ohne Anforderungen: Das LV nennt ein Produkt, aber keine Werte. Gleichwertige Alternativen lassen sich dann kaum prüfen.
  • Keine Angaben zur Verglasung: Ohne Glasart und Beschichtung kann niemand seriös sagen, welche Folie freigegeben ist.
  • Fläche statt Scheiben: Nur Gesamt-Quadratmeter anzugeben verschleiert den Aufwand. Viele kleine Scheiben bedeuten deutlich mehr Arbeit als wenige große.
  • Vorarbeiten vergessen: Altfolie, starke Verschmutzung oder Silikonreste tauchen erst bei der Montage auf.
  • Zugang unklar: Ob Leiter reicht oder eine Hubarbeitsbühne nötig ist, entscheidet über den Preis.
  • Unrealistische Montagezeiten: Enge Zeitfenster ohne Zulagenposition führen zu Diskussionen.
  • Keine Bemusterung: Gerade bei Tönung und Spiegelung weicht der Eindruck am Gebäude oft vom Datenblatt ab.

Praxis-Tipp: Wenn Sie unsicher sind, welche Anforderungen realistisch sind, lassen Sie vor der Ausschreibung eine unverbindliche Bestandsaufnahme machen. Mit den Ergebnissen formulieren Sie ein LV, das Bieter ohne Rückfragen kalkulieren können.

So kalkuliert SJ-Design Ihr Leistungsverzeichnis

Als Fachbetrieb für Werbetechnik aus Deizisau bei Stuttgart kalkulieren wir Ausschreibungen positionsgenau und fristgerecht. Wo wir eine wirtschaftlichere oder technisch besser geeignete Folie sehen, bieten wir sie als Alternativposition an, jeweils mit Datenblatt, damit Sie transparent vergleichen können. Gestaltung, Produktion im eigenen Haus und Montage durch eigene Folierer kommen aus einer Hand, auch für Projekte in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Mehr zu unserer Zusammenarbeit mit Einkauf und Facility Management finden Sie auf der Seite Glasfolierung für Unternehmen. Ihr LV können Sie direkt über das Anfrageformular hochladen oder per E-Mail an info@sj-design.de senden.

Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick aus unserer Praxis und ersetzt keine Fach- oder Vergabeberatung im Einzelfall. Für öffentliche Auftraggeber gelten die jeweils einschlägigen vergaberechtlichen Vorgaben.

Häufige Fragen

Darf ich im LV eine bestimmte Folienmarke vorschreiben?

Gerade bei öffentlichen Ausschreibungen ist eine produktneutrale Beschreibung üblich. Beschreiben Sie die geforderten Leistungswerte und verlangen Sie den Nachweis per technischem Datenblatt. So bleiben gleichwertige Alternativen möglich.

Was tun, wenn keine genauen Maße vorliegen?

Schreiben Sie das Aufmaß durch den Bieter als eigene Position aus. Alternativ genügen für eine erste Kalkulation oft Fotos und eine Fensterliste mit ungefähren Maßen.

Warum sollte eine Glasprüfung Teil der Ausschreibung sein?

Weil nicht jede Sonnenschutzfolie zu jeder Verglasung passt. Die Glasprüfung stellt sicher, dass die ausgeschriebene Folie für Glasart, Beschichtung und Einbausituation freigegeben ist.

Bieten Sie auch Alternativpositionen an?

Ja. Wenn wir eine wirtschaftlichere oder besser geeignete Folie sehen, kalkulieren wir sie zusätzlich als Alternativposition und legen das Datenblatt zum Vergleich bei.

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