Warum Glas in Schulen und Kitas besonders heikel ist
Moderne Schulen und Kitas sind hell und offen gebaut: verglaste Eingänge, Glastüren zu Fluren und Pausenhöfen, Glaswände zwischen Gruppenräumen, Foyers mit bodentiefen Fenstern. Für Kinder bergen diese Flächen besondere Risiken.
- Andere Augenhöhe: Kleine Kinder sehen die Welt aus deutlich geringerer Höhe. Eine Markierung, die für Erwachsene gut sichtbar ist, liegt für sie womöglich über dem Blickfeld.
- Bewegung und Tempo: Kinder rennen, spielen Fangen, drehen sich um und schauen dabei nicht nach vorn. Wer mit Schwung gegen eine Glasscheibe läuft, kann sich erheblich verletzen.
- Viele Personen gleichzeitig: In Pausen, beim Schulbeginn oder bei Veranstaltungen drängen sich viele Menschen durch Türen und Flure. Glasflächen werden dann leicht übersehen.
- Wechselndes Licht: Durch große Fensterfronten ändern sich Helligkeit und Spiegelungen im Tagesverlauf. Eine Glastür, die morgens gut zu erkennen ist, kann nachmittags im Gegenlicht nahezu unsichtbar werden.
Welche Regeln gelten für Anlaufschutz in der Schule?
DIN 18040-1 für öffentlich zugängliche Gebäude
Schulen, Kitas, Sporthallen, Rathäuser und Bürgerzentren sind öffentlich zugängliche Gebäude. Für sie beschreibt die DIN 18040-1 (Barrierefreies Bauen) die Ausführung von Sicherheitsmarkierungen an großen Glasflächen und ganzflächig verglasten Türen:
- über die gesamte Glasbreite
- in zwei Höhenbereichen: 40 bis 70 cm und 120 bis 160 cm über dem fertigen Fußboden
- visuell kontrastreich, damit sie vor wechselnden Hintergründen erkennbar sind (bewährt ist ein Hell-Dunkel-Wechsel)
Der untere Bereich ist gerade für Kinder und Rollstuhlnutzer wichtig. Die Hauptschließkanten rahmenloser Glas-Drehflügeltüren sollen zusätzlich kontrastierend gestaltet sein.
Arbeitsstättenrecht für das Personal
Schulen und Kitas sind zugleich Arbeitsstätten für Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher, Hausmeister und Verwaltung. Die Arbeitsstättenverordnung verlangt, dass durchsichtige Türen und lichtdurchlässige Wände im Bereich von Arbeitsplätzen und Verkehrswegen deutlich gekennzeichnet sind. Konkretisiert wird das in den Technischen Regeln ASR A1.6 und ASR A1.7. Mehr dazu im Beitrag Ist Anlaufschutz an Glastüren Pflicht?
Unfallversicherung
Für Schulen und Kindertageseinrichtungen gibt es darüber hinaus Regeln und Informationen der gesetzlichen Unfallversicherung. Die zuständige Unfallkasse berät Träger und Einrichtungen zu baulichen Anforderungen und zur sicheren Gestaltung. Konkrete Vorgaben für Ihr Gebäude klären Sie am besten mit ihr und mit der Fachkraft für Arbeitssicherheit.
Wichtig: Eine Markierungsfolie macht Glas sichtbar, aber nicht bruchsicher. Ob Verglasungen in Reichweite von Kindern aus Sicherheitsglas bestehen oder anderweitig geschützt sein müssen, ist eine bauliche Frage, die Träger und Planer gesondert prüfen sollten.
Glasmarkierung in der Kita: kindgerecht und wirksam
Gerade in der Kita bietet sich die Markierung als Gestaltungselement an. Kinder nehmen Motive bewusster wahr als abstrakte Streifen. Außerdem passt eine fröhliche Gestaltung besser zur Einrichtung als ein technisches Warnband.
- Tiere und Natur: Eine Reihe aus Tieren, Bäumen, Blumen oder Wolken läuft als Band über die Glasbreite.
- Buchstaben und Zahlen: Das ABC oder Zahlen von 1 bis 10: Markierung und Lernanreiz in einem.
- Gruppenfarben und Symbole: Jede Gruppe erhält ihre Farbe und ihr Tier. Das hilft den Kindern bei der Orientierung.
- Kinderzeichnungen: Bilder der Kinder werden digitalisiert und als Motivband gedruckt. Das schafft Identifikation und Stolz.
- Schul- oder Kita-Logo: Für Eingänge und Verwaltungsbereiche, gern kombiniert mit Öffnungszeiten.
In weiterführenden Schulen darf die Gestaltung erwachsener ausfallen. Bewährt haben sich Schulwappen oder Logo als durchgehendes Band, Leitsätze aus dem Schulprofil, Piktogramme für Fachräume wie Chemie, Musik oder Mensa sowie Etagen- oder Gebäudefarben, die neuen Schülerinnen und Schülern die Orientierung erleichtern. Solche Projekte lassen sich gut mit dem Unterricht verbinden, etwa wenn eine Kunst-AG Entwürfe liefert, die wir anschließend für die Folienproduktion aufbereiten.
Bei allen Motiven gilt: Die Normbereiche und der Kontrast haben Vorrang. Zusätzliche Motive tiefer auf Kinderaugenhöhe können sinnvoll sein, ersetzen aber nicht die Markierung in den beiden vorgesehenen Höhenbereichen. Weitere Gestaltungsideen finden Sie im Beitrag Anlaufschutz-Muster und Gestaltungsideen.
Sporthallen und Veranstaltungsräume
In Sporthallen sind Glasflächen oft an Foyers, Tribünen, Übergängen zu Umkleiden oder zu Außenbereichen zu finden. Hier kommen besondere Bedingungen hinzu: Viele Menschen bewegen sich schnell, die Hallenbeleuchtung ist hell und gleichmäßig, dahinterliegende Räume sind oft dunkler. Markierungen müssen deshalb besonders kontrastreich sein. Kräftige Farben in Kombination mit hellen Elementen oder Vereinsfarben und Logo als Band haben sich bewährt.
Bei Glasflächen, die von Bällen getroffen werden können, sollte vorab geklärt werden, ob die Verglasung dafür ausgelegt ist. Eine Folie ersetzt keinen baulichen Ballwurfschutz.
Viele Sporthallen werden abends und am Wochenende von Vereinen genutzt. Dann ist es draußen dunkel und drinnen hell, die Glasflächen spiegeln dann stärker. Prüfen Sie die Wirkung der Markierung deshalb nicht nur tagsüber, sondern auch bei künstlicher Beleuchtung. Gleiches gilt für Aulen und Mensen, die für Elternabende und Veranstaltungen genutzt werden.
Haltbarkeit und Vandalismus
Kinder und Jugendliche sind neugierig: Folienkanten werden angeknibbelt, Motive bekritzelt oder zerkratzt. Ein paar Punkte helfen, die Markierung dauerhaft in gutem Zustand zu halten:
- Innenseite bevorzugen: Wo es der Kontrast zulässt, wird innen oder auf der weniger frequentierten Seite montiert.
- Saubere Kanten: Folien sollten mit etwas Abstand zu Rahmen und Dichtungen enden. Glatte, gerade Kanten bieten weniger Angriffsfläche als filigrane Spitzen.
- Robuste Formen: Kompakte Motive halten mechanischer Belastung besser stand als sehr feine Linien.
- Nachproduktion einplanen: Da wir Entwürfe und Produktionsdaten im eigenen Haus erstellen, lassen sich beschädigte Elemente gezielt nachproduzieren und ersetzen.
Zur Reinigung genügen milde Glasreiniger und ein weiches Tuch. Klingenschaber und scheuernde Mittel sollten auf der Folie nicht verwendet werden. Dieser Hinweis ist im Reinigungsplan der Einrichtung gut aufgehoben.
Umsetzung: Ferien, Ausschreibung und Ablauf
Damit der Betrieb nicht gestört wird, montieren wir in Schulen und Kitas bevorzugt in den Ferien, an Brückentagen oder nachmittags nach Schulschluss. Da die Ferien begehrt sind, lohnt es sich, frühzeitig zu planen, damit Entwurf, Freigabe und Produktion rechtzeitig abgeschlossen sind.
Kommunen und öffentliche Träger vergeben Leistungen in der Regel über eine Ausschreibung oder eine Preisabfrage. Hilfreich ist ein sauberes Leistungsverzeichnis mit Mengen, Maßen und Anforderungen an die Markierung. Wie das aussehen kann, erklärt unser Beitrag zu Glasfolierung in Ausschreibung und Leistungsverzeichnis. Ein bewährter Ablauf:
- Bestandsaufnahme aller Glastüren, Glaswände und bodentiefen Verglasungen, gemeinsam mit Hausmeister oder Gebäudemanagement
- Abstimmung von Höhen, Kontrast und Gestaltung mit Träger, Einrichtungsleitung und gegebenenfalls Fachkraft für Arbeitssicherheit
- Entwurf mit Visualisierung, auf Wunsch mit Motiven, die Kinder oder Schüler mitgestalten
- Produktion im eigenen Haus und Montage in der vereinbarten Zeit
- Dokumentation je Gebäude, damit neue Glasflächen später einheitlich ergänzt werden können
Der Aufwand hängt vor allem von der Zahl und Breite der Glasflächen, der Gestaltung und der Zugänglichkeit ab. Für ein Festpreis-Angebot oder eine Beratung nutzen Sie das Anfrageformular oder rufen uns unter 07153 897000 an. Mehr zur Leistung finden Sie auf der Seite Anlaufschutz.
Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung, keine Beratung durch die zuständige Unfallkasse und keine Gefährdungsbeurteilung im Einzelfall. Maßgeblich sind die jeweils aktuellen Fassungen der genannten Regelwerke.